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FAQ „Verockerung und Sulfatbelastung in den Fließgewässern der Lausitz“

1. Was sind „Verockerung“ und „Sulfatbelastung“ von
    Fließgewässern und wie sind sie entstanden?

„Verockerung“ und „Sulfatbelastung“ von Oberflächengewässern in der Lausitz sind zwei Erscheinungen im Ergebnis einer Prozesskette, die aus der Oxidation/Verwit-terung der ursächlich in den tertiären Lockergesteinssedimenten der Lausitz befindlichen Eisensulfide resultieren.

Eisen als eines der häufigsten Elemente der Erdkruste und Schwefel sind in fast allen Böden der Lausitz in Form von Schwefelkies vertreten. Durch den bergbaubedingten Zutritt von Luftsauerstoff infolge der Grundwasserabsenkung oxydiert / verwittert der vorliegende Schwefelkies zu Eisen und Sulfat. Über Niederschlagswasser und aufsteigendes Grundwasser gelangen die löslichen Verwitterungsprodukte in Oberflächengewässer, wie z. B. die Spree. Im Lausitzer Braunkohlenrevier haben sich große Mengen an Eisen und Sulfat, welche über den natürlichen Wasserkreislauf den Fließgewässern zugeführt werden und zum Abfluss gelangen.“

Die „Verockerung“, d. h. die Veränderung der Flusswasserqualität, die auch visuell durch die Ockerfärbung des Flusswassers wahrgenommen wird, entsteht dann, wenn die Eisen-II-Konzentration im Oberflächenwasser 2 mg/l bis 3 mg/l übersteigt. Das im Regelfall zunächst farblose eisenhaltige Wasser verändert seine Farbe, weil im Zuge der Sauerstoffaufnahme sich das bereits gelöste Eisen zu Eisenhydroxid verwandelt.

Die - derzeitige - „Verockerung“ der Spree und ihrer Zuflüsse entsteht größtenteils durch den diffusen Eintritt von eisenhaltigem Grundwasser in bestimmten Gewässerabschnitten im Zuge des großräumigen Grundwasserwiederanstiegs im Einwirkungs-bereich der nach der Wiedervereinigung stillgelegten Braunkohlenbetriebe. Die Verockerung entsteht aber auch durch eine anderweitige temporäre
Grundwasserabsenkung z. B. die landwirtschaftliche Melioration in den großflächigen Feucht- und Moorgebieten des Spreewaldes. Dieses Phänomen des Eisenaustrages entsteht schließlich auch seit Jahrhunderten durch den Einfluss der natürlichen Grundwasserspiegelschwankungen in den Lausitzer Böden, die geogen Pyrit (Schwefelkies - FeS2) enthalten.

2. Welche Gebiete und Gewässer sind betroffen?

In Brandenburg sind insbesondere die Spree von der Landesgrenze bis zur Talsperre Spremberg (Südraum) sowie Gewässer im brandenburgischen Spreeeinzugsgebiet im Bereich der Bergbausanierungsgebiete Schlabendorf/ Seese und Greifenhain/ Gräbendorf (Nordraum) betroffen. Betroffene Fließgewässer in diesen Gebieten sind das Greifenhainer Fließ, das Vetschauer Mühlenfließ,  die Schrake/Dobra, der Lorenzgraben/die Wudritz sowie die Berste. Die genannten Fließgewässerabschnitte sind vor allem mit Eisen belastet. Das Sulfat wird als eine sehr reaktionsträge im Wasser gelöste Substanz mit der fließenden Welle in das untere Spree- und Dahmegebiet verfrachtet.

In den Bergbausanierungsgebieten befindet sich eine Vielzahl von Bergbaufolgeseen, die sich überwiegend unter Bergaufsicht befinden. Ein Teil dieser Seen ist stark versauert, eisen- und sulfathaltig.                                    

 

3. Welche Auswirkungen können „Verockerung“ und
    „Sulfatbelastung“ in den Oberflächengewässern für Menschen und
    die Umwelt haben?

Wirkungen des Eisens
Für die Spree sind negative Auswirkungen auf die für die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)-relevanten biologischen Komponenten (Fische, Makrozoobenthos, Makrophyten) nicht auszuschließen. Eisen-II-haltige Wässer können zur direkten Verarmung/Vernichtung der aquatischen Fauna sowie zur Beeinflussung der Flora im Gewässer führen. Eine hohe Belastung der Spree mit Eisenhydroxid (Eisen-III) kann bei Fischen durch Verkleben der Kiemen zum Tod führen, durch Abdeckung der Gewässersohle und der Uferrandbereiche zur Verschlechterung der Lebensbedingungen des Makrozoobenthos und der Fische (Verlust von Laichplätzen und Nahrungsquellen). Die schrittweise Verschlammung der Gewässer führt zu einem erhöhten Unterhaltungsaufwand. Weiterhin kann es zu Beeinträchtigungen auf die Freizeit- und Erholungsnutzung kommen.

Ausgeschlossen werden kann allerdings bereits jetzt, dass sich die Verfärbungen bis in die Berliner Gewässer fortsetzen. Aus hydraulisch-geomorphologischer Sicht stellt der Beginn des Unterspreewaldes den nördlichsten Bereich dar, in dem unter ungünstigsten Umständen Braunfärbungen auftreten könnten.

Wirkungen des Sulfats
Im untersuchten Wertebereich von 50 mg/l bis 350 mg/l wurden bisher keine signifikanten Einflüsse von Sulfat auf biologische Qualitätskomponenten gefunden. Sulfat ist in den Oberflächengewässern Brandenburgs mit Calciumionen ladungstechnisch ausbalanciert, die im Gegensatz zu Natriumionen für die meisten Organismenarten in Fließgewässern nicht toxisch wirken. Problematisch könnte Sulfat bei sehr hohen Konzentrationen (> 1000 mg/l) durch erhöhte osmotische Belastung auf biologische Organismen werden. Im Jahre 2007 wurde im Auftrag des Regierungspräsidiums Dresden durch das Büro GEOS Freiberg die Wirkung des Sulfates untersucht. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Sulfat in der zu erwartenden Größenordnung weniger problematisch ist, als bisher angenommen. Zwar sind indirekte Effekte nicht völlig auszuschließen, wohl aber ist nach derzeitigem Kenntnisstand davon auszugehen, dass das Ökosystem durch Sulfatfrachten in der zu erwartenden Größenordnung keinen Schaden nimmt.

Für die bautechnische Beeinflussung ist die Zunahme der Betonaggressivität des Fließgewässers zu beachten. In der Spree werden Konzentrationen erreicht, die der Expositionsklasse A1 (DIN 4030 Teil 1) entsprechen. Bei neueren Bauwerken ist davon auszugehen, dass die komplexen Wirkfaktoren berücksichtigt sind und keine Gefahr besteht. Bei vorhandenen älteren Bauwerken ist nicht immer eindeutig, wie hoch der Zementgehalt ist. Auf den Fließstrecken der Spree wo Sulfatkonzentrationen im Jahresmittel von 300 bis 400 mg/l erreicht werden, muss geprüft werden, ob und welche Bauwerke betroffen sind.

Eine weitere signifikante Beeinflussung durch erhöhte Sulfatkonzentrationen im Fließgewässer besteht für die Trinkwassergewinnung/-versorgung. Für die untere Spree existieren Nutzungsanforderungen bezüglich der Trinkwassergewinnung, insbesondere durch das Wasserwerk (WW) Briesen (TW-Versorgung von Frankfurt/Oder) und das WW Friedrichshagen (TW-Versorgung von Berlin). Der Grenzwert für Trinkwasser liegt in Deutschland bei 250 mg/l.

Bezogen auf die Spree im Raum Spremberg sind Auswirkungen des Sulfates auf das Ökosystem und die Trinkwassernutzung nicht relevant. Bei einer Überschreitung des Indikatorwertes für den bergbaulich erhöhten Parameter Sulfat im Trinkwasser im WW Briesen muss das zuständige Gesundheitsamt entscheiden, ob dadurch die Gesundheit der betroffenen Verbraucher gefährdet ist und ob Maßnahmen gegenüber dem Betreiber der betroffenen Wasserversorgungsanlage anzuordnen sind. Ein Anstieg der Sulfatkonzentration ohne Überschreitung des Trinkwasserwertes kann bei der Lebensmittelherstellung zu weiteren Aufbereitungsmaßnahmen führen.

 

4. Welche Auswirkungen können „Verockerung“ und
    „Sulfatbelastung“ auf den Spreewald haben?

Südraum: (Beschreibung siehe unter Allgemeines)

Das Gewässermonitoring belegt, dass das Rückhaltevermögen der Talsperre Spremberg gegenwärtig ausreichend ist, um die Eisenkonzentrationen soweit zu senken, dass unterhalb der Talsperre keine sichtbaren braunen Verfärbungen der Spree feststellbar sind.

Eine vom LUGV beauftragte und seit Dezember 2012 vorliegende Studie zum Eisenrückhalt in der Talsperre Spremberg zeigt, dass dort unter optimalen Bedingungen 70 bis 80 Prozent der derzeitigen Eisenfrachten zurückgehalten werden können. Mit einer ergänzenden Folgestudie soll nun geklärt werden, wie der Rückhalt der weiterhin zuströmenden Eisenfrachten künftig optimiert werden kann, wo sich die Sedimente räumlich absetzen und wie sich das Sedimentationsverhalten unter den Bedingungen von Hochwasserereignissen ggf. verändert. Neben Aussagen zu Abscheideraten und -mächtigkeiten werden von der neuen Studie konkrete Hinweise zur Unterhaltung und zum Betrieb der Talsperre erwartet.

Zusätzlich wird im Auftrag des LUGV eine Machbarkeitsstudie zur Unterhaltung der Vorsperre Bühlow erarbeitet. Hierin soll u. a. geprüft werden, welche Auswirkungen die vorgeschlagenen Umbaumaßnahmen auf den Sedimentrückhalt in der Vorsperre und in der Folge auf die Funktion der Hauptsperre haben. Mit betrachtet werden Auswirkungen der vorgeschlagenen Änderungen auf die Bewirtschaftung des Betriebs- und Hochwasserschutzraumes.

Nordraum: (Beschreibung siehe unter Allgemeines)

Die in Antwort 3 dargestellten Wirkungen der Eisenverbindungen können direkte Auswirkungen und auf das FFH-Gebiet „Innerer Oberspreewald“ (DE 4150-301) bzw. auf das Biosphärenreservat Spreewald hervorrufen, wenn nicht vorher Maßnahmen ergriffen werden, die zu einer Minderung der Eisenkonzentrationen führen. Auch die Fischerei im Spreewald wäre davon betroffen. Des Weiteren kann sich die Verockerung des Flussbettes aus ästhetischen Gründen negativ auf die wassertouristische Nutzung von bergbaubeeinflussten Gewässern auswirken. Die Verschlammung der Gewässer durch Eisensediment führt zu einem erhöhten Unterhaltungsaufwand.

Wie bereits zu Frage 3 ausgeführt, sind Auswirkungen des Sulfates auf den Spreewald gegenwärtig nicht relevant.

5. Seit wann sind die „Verockerung“ und  „Sulfatbelastung“ von
    Fließgewässern bekannt?

Der erhöhte Eisengehalt wurde zuerst in der Spree auf sächsischer Seite (Südraum) festgestellt. Die Landesdirektion Dresden (LDD, früher Regierungspräsidium Dresden) hat in der Kleinen Spree an der Messstelle Spreewitz etwa seit dem III. Quartal 2007 deutlich erhöhte Werte bei den Parametern Eisen gesamt und Eisen gelöst ermittelt, die optisch eine Rot-/Braunfärbung der Kleinen Spree an der Mündung in die Spree bewirken. Diese Färbung setzt sich dann bis über die Landesgrenze Sachsen/Brandenburg hinweg fort. Deutliche Färbungen der Spree sind in Brandenburg von der Landesgrenze bis in die Talsperre Spremberg festzustellen. Erst in der Talsperre hat sich der Beschaffenheitszustand der Spree normalisiert. Das LUGV (früher Landesumweltamt Brandenburg - LUA) hat im Rahmen einer Sitzung des Bauausschusses der Stadt Spremberg erstmals am 02.06.2008 zum vorliegenden Problem berichtet.

In Brandenburg (Nordraum) wurde im November 2008 erstmals ein erhöhter Stoffeintrag an Eisen über das Greifenhainer Fließ in die Krieschower Teiche festgestellt.

Die niederschlagsreichen Jahre 2010 und 2011 haben dazu geführt, dass sich ab diesem Zeitpunkt der Grundwasserwiederanstieg schneller vollzog als prognostiziert und es auch zu höheren Abflüssen und damit auch zu höheren Belastungen in den Fließgewässern kam und gegenwärtig noch kommt.

Das Thema des Sulfateintrages ist länger bekannt. Zur Wasserbeschaffenheitssteuerung wird seit mehreren Jahren schon Wasser der Talsperren Bautzen/Quitzdorf sowie seit Fertigstellung des Speichers Bärwalde auch daraus verwendet. In der Spree wirkten die erhöhten Abflüsse im Zeitraum 2010/11 verdünnend auf die Sulfatkonzentrationen. Sie waren niedriger als im Vergleichszeitraum 2005/06. Die Zuflüsse aus den vom Grundwasserwiederanstieg betroffenen Bergbausanierungsbereichen Schlabendorf/Seese sowie Greifenhain/Gräbendorf zeigen bezüglich des Sulfats ein differenziertes Bild. Anstiege der Sulfat-Konzentration sind insbesondere im Greifenhainer Fließ und Vetschauer Mühlenfließ zu verzeichnen.

6. Welche weiteren Maßnahmen sind geplant?

Nach Kenntniserhalt der erhöhten Stoffeinträge wurde in Abstimmung zwischen den Behörden und der LMBV mbH die LMBV mbH im Jahr 2008 sowohl auf sächsischer als auch auf brandenburgischer Seite mit entsprechenden Untersuchungen beauftragt (1. Eisenstudien für den Süd- und Nordraum, Ergebnis: 2010).

Im Jahr 2009 wurde in der Arbeitsgruppe „Flussgebietsbewirtschaftung Spree - Schwarze Elster“ das „Strategiepapier zur Beherrschung bergbaubedingter Stoffbelastungen in den Fließgewässern Spree, Schwarze Elster und Lausitzer Neiße“ erarbeitet, welches vom MUGV (ehemals MLUV), der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Berlin sowie der Vattenfall Europe Mining AG und der LMBV mbH unterschrieben wurden. Das Strategiepapier enthält ein Arbeitsprogramm, welches jährlich fortgeschrieben und durch Vattenfall und die LMBV umgesetzt wird (siehe „Arbeitsprogramm 2013“).

Die LMBV hat zusammen mit dem LBGR am 22.02.2013 einen umfangreichen Maßnahmenkatalog für die Spree vorgestellt. Im Nachfolgenden ist eine örtlich und zeitlich differenzierte Aufstellung der geplanten kurzfristigen Lösungsschritte dargestellt.

Für den Nordraum:

Lösungsansätze kurzfristig (2013) im Land Brandenburg an der Wudritz durch die LMBV:

1. Schlammberäumung und Instandsetzung Durchlässe (Problematik der
    Schlammverbringung ist gegenwärtig noch in der Klärung)

2. Temporäre Überleitung vom Schlabendorfer See zum Lichtenauer See

3. Neutralisation des Lichtenauer Sees

4. Herstellung eines temporären „konstruierten Feuchtgebietes“

5. Planungsleistungen für die Errichtung einer temporären Konditionierungs
    Anlage

6. Verbesserung der Wasserbeschaffenheit im Schlabendorfer See durch
    Inlake-Behandlung/Sanierungsschiff

Lösungsansätze kurzfristig (2013) im Land Brandenburg am Vetschauer Mühlenfließ und Greifenhainer Fließ durch die LMBV:

1. Reaktivierung Grubenwasserreinigungsanlage Vetschau

2. Umnutzung und Rekonstruktion der Wasserbehandlungsanlage des
    ehemaligen Kraftwerkes Vetschau

3. Schlammberäumung des Greifenhainer Fließes (Problematik der
    Schlammverbringung ist gegenwärtig noch in der Klärung)

4. Planungsleistungen zur Umleitung von Wasser aus dem Laasower Fließ
    zum Eichower Fließ sowie zur Grundwasserfassung und -überleitung
    Greifenhainer Fließ, Bewirtschaftungskonzept

Für den Südraum:

Lösungsansätze kurzfristig (2013) im Freistaat Sachsen an Kleiner Spree und Spree/Ruhlmühle durch die LMBV:

1. Untergrundwasserbehandlung (Pilotvorhaben/Feldversuch)

2. Errichtung eines Abfangriegels mit Brunnen

3. Ertüchtigung GWRA Burgneudorf - Vorbereitende Planungsleistungen

4. Behandlung von Teilmengen der Kleinen Spree

Auf der Grundlage der vorliegenden Fortschreibungen der „Studie zu den Auswirkungen des Grundwasserwiederanstieges auf die Beschaffenheit der Oberflächengewässer in den Monitoringbereichen O1 und O2“ (2. Eisenstudie Südraum, September 2012) sowie der „Studie zu den Auswirkungen des Grundwasserwiederanstiegs auf die Beschaffenheit der Oberflächengewässer in den Sanierungsgebieten B1 (Seese/Schlabendorf) und B2 (Greifenhain/Gräbendorf) – Teil 2: Vertiefung der Untersuchungen zur Präzisierung der Modellgrundlagen und der Bemessungsansätze für Wasserbehandlungsanlagen“ (2. Eisenstudie Nordraum, März 2013) wird gegenwärtig die Strategie für die Folgejahre festgelegt. Folgende Lösungsansätze bestehen:

Lösungsansätze mittelfristig (2014-2017) im Land Brandenburg

  • Fortführung der im Jahr 2013 begonnenen Maßnahmen und Umsetzung der Planungsergebnisse
  • Renaturierung und Bewirtschaftung der Fließe u. a. Berste, Dobra
    (Schlammberäumung, Bewirtschaftungskonzept, Mengensteuerung usw.)
  • Planung und Realisierung von Konditionierungsanlagen und Absetzstrecken / Absetzbecken für das Eisenhydroxid (z. B. Kalksilos an Gewässerläufen)
  • Planung und Realisierung von weiteren temporären konstruierten Feuchtgebieten
  • Planung und Realisierung von Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserbeschaffenheit in den Seen
  • Planung und Realisierung von Maßnahmen zur Verbesserung der Grundwasserbeschaffenheit
  • Prüfung des Einsatzes von Dichtwänden
  • Rechtzeitige Aufnahme der Verhandlungen zur Finanzierung des Verwaltungsabkommens über das Jahr 2017 hinaus

Lösungsansätze mittelfristig (2014-2017) im Freistaat Sachsen an Kleiner Spree und Spree/Ruhlmühle durch die LMBV:

1. Weiterführung Untergrundwasserbehandlung

2. Abfangmaßnahmen an der Barriere zum Schutzgut als Brunnenriegel oder
    Drainagen

3. Abfangmaßnahmen an der Barriere zum Schutzgut als offene  
    Gabenlösung

4. Planung zur Verringerung des Grundwasser-Abstromes (z.B. Dichtwand)

5. Reaktivierung der GWRA Burgneudorf

6. Errichtung oberirdischer naturräumlicher Wasserbehandlung

7. Nutzung von Wasser der Talsperren Bautzen/Quitzdorf und Speicher
    Bärwalde zur Wasserbeschaffenheitssteuerung

8. Inbetriebnahme Wasserspeicher Lohsa II

9. Abschluss der Beräumungsmaßnahmen Kleine Spree

Entsprechend den derzeitigen Modellvorstellungen (GEOS-Studien Berlin/Branden-burg) soll sichergestellt werden, dass eine Nutzung des Spreewassers zur Trinkwasserversorgung durch die Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft und die Berliner Wasserbetriebe auch in Zukunft erfolgen kann. Dazu sollen Überleitungen, Infiltrationen und Substitutionen definierter Wassermengen in Kombination umgesetzt werden. Langfristig wird seitens der LMBV die Weiterentwicklung mikrobieller Verfahren forciert, wodurch ein unkontrolliertes Austreten großer Sulfat- und Eisenmengen aus Kippenbereichen verhindert werden soll. Ein entsprechendes Pilotvorhaben zur Fällung von Eisensulfiden durch technische Stimulierung der mikrobiellen Sulfatreduktion wurde 2011 erfolgreich abgeschlossen. Das Verfahren wird derzeit im Südraum in die Praxis überführt. Die Vorbereitungen laufen. Die Durchführung eines Feldversuchs im Bereich „Ruhlmühle“  ist ab 2014 vorgesehen.

Im Auftrag der LMBV wurde ein Gütesteuermodell Spree entwickelt und erprobt, mit dessen Hilfe die Steuerung der Flutung und Ausleitung aus den Tagebauseen Burghammer und Bärwalde zur Einhaltung des festgelegten Immissionszieles für Sulfat in Spremberg-Wilhelmstal optimiert werden soll.

Derzeit laufen in Berlin zwei Untersuchungen im Auftrag der Senatsverwaltung sowie der Berliner Wasserbetriebe zur Sulfatproblematik im Grundwasser sowie der Trinkwasserqualität im Wasserwerk Friedrichshagen.                                                                

Als technische Maßnahmen im Überschreitungsfall sind Aufbereitungs- bzw. Teilentsalzungstechnologien wie z. B. die Membranfiltration oder ein Ionenaus-tauschverfahren (z. B. CARIX) einsetzbar. Bei ursächlich auf den Bergbau zurück zu führende Überschreitungen der Grenzkonzentrationen hat der Verursacher die Kosten zu tragen.

7. Was ist die LMBV und welche Aufgaben hat sie?

Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) wurde am 9. August 1994 von der Treuhandanstalt als Gesellschaft für den Auslauf- und Sanierungsbergbau in den Braunkohlenregionen der Lausitz und Mitteldeutschlands gegründet. Sie befindet sich im Besitz der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesministerium der Finanzen. Die letzten Produktionsstätten des Braunkohlenbergbaus der LMBV wurden Ende 1999 außer Betrieb genommen. Seither liegt der Schwerpunkt der Aktivitäten in der Wiedernutzbarmachung und Verwertung der vom Braunkohlenbergbau in Anspruch genommenen Flächen und zunehmend auch in der Rekultivierung. Damit werden die Voraussetzungen für eine umfassende Umstrukturierung und Gesundung der einstigen Bergbauregionen geschaffen.

Die Aufgaben der LMBV umfassen im Wesentlichen die Schwerpunkte:

  • Mitwirken bei den notwendigen Entscheidungen zur Wiedernutzbarmachung der vom Bergbau in Anspruch genommenen Flächen
  • Betreiben des Sanierungsbergbaus als bergrechtlich verantwortliche Projektträgerin inklusive Planung, Ausschreibung, Vergabe, Kontrolle und Abnahme der Sanierungsarbeiten mit dem Ziel der Beendigung der Bergaufsicht
  • Verwertung und Vermarktung der für Folgenutzungen aufbereiteten Liegenschaften mit dem Ziel der Wiedereingliederung in den Natur- und Wirtschaftskreislauf, u. a. mit dem Ziel, Arbeitsplätze anzusiedeln
  • Erstellen von Abschlussbetriebsplänen für ehemalige Betriebsanlagen des Braunkohlenbergbaus
  • Projektträgerschaft im Auftrage der Länder für nachnutzungsorientierte Projekte
  • Führung der Tochtergesellschaft GVV

8. Welche Auswirkungen hat der laufende und zukünftige
    Braunkohletagebau auf die „Verockerung“ und „Sulfatbelastung“
    der Fließgewässer?

Die Anlagen zur Energieerzeugung haben Einfluss auf den Wasserhaushalt der Region, in der sie sich befinden. Das gilt sowohl für die fossil gefeuerten Kraftwerke, die Kühl- und Prozesswasser benötigen, für die Wasserreservoirs der Wasserkraftwerke als auch für die Grundwasserhebung bei den Braunkohletagebauen. Zur Gewinnung und Förderung von einer Tonne Rohbraunkohle müssen etwa sechs bis sieben Kubikmeter Grundwasser gehoben werden. Hierbei wird Grubenwasser gewonnen, das in Reinigungsanlagen aufbereitet wird. Es dient vorrangig zur Versorgung der Braunkohlekraftwerke mit Brauch- und Kühlwasser. Gleichzeitig werden mit dem Grubenwasser Mindestabflussmengen in Vorflutern aufrechterhalten und es wird zum Erhalt von Feuchtgebieten und Biotopen benötigt. Gerade in Trockenperioden kommt der kontinuierlichen Wassereinleitung eine wesentliche Bedeutung für die Wasserführung von Flüssen zu. Sümpfungswässer fallen in den aktiven Tagebauen an. Das sind in der Lausitz die Tagebaue von Vattenfall Europe Mining AG (Jänschwalde/Cottbus Nord, Welzow Süd, Nochten und Reichwalde). Wesentliches Steuerungselement für den Schadstoffeintrag ist die wasserrechtliche Einleitungsgenehmigung im Rahmen berg- und wasserrechtlicher Genehmigungsverfahren, die von den Berg- und Wasserbehörden der Länder durchgeführt werden. In den Verfahren werden entsprechende Anforderungen an die Beschaffenheit der einzuleitenden Wässer gestellt bzw. Maßnahmen zur Verringerung des Stoffeintrages festgelegt, so dass es zu keinen erheblichen nachteiligen Beeinträchtigungen von Schutzgütern kommt.